5 Tipps gegen hohe Temperaturen am Arbeitsplatz

Letztes Update: 05.12.20

 

Im Sommer wird es auch im Büro schnell unerträglich heiß. Das gilt natürlich insbesondere dann, wenn die Sonne direkt auf die Fensterscheiben strahlt oder sie nicht mit reflektierender Folie ausgestattet sind. Auch mehrere PCs in einem Raum führen ohne Belüftung und Klimaanlage gerade im Sommer schnell zu stark erhöhten Temperaturen im Innenraum.

Im Folgenden zeigen wir Ihnen auf, ab welcher Temperatur der Arbeitsplatz überhaupt als „zu heiß“ gilt, welche Pflichten der Arbeitgeber hat und darüber hinaus geben wir Ihnen noch fünf wertvolle Tipps mit auf den Weg, wie Sie der Hitze effektiv entgegenwirken können.

 

Bis zu welcher Temperatur muss man noch arbeiten?

In Deutschland gibt es klare Richtlinien, wie die Umgebung am Arbeitsplatz beschaffen sein muss. Regelungen zur Arbeitstemperatur im Innenraum finden sich in der ArbStättV (Arbeitsstättenverordnung). Neben den klimatischen Bedingungen sind hier auch Dinge wie die Erreichbarkeit über öffentliche Verkehrsmittel, Lüftung, maximale Lärmbelästigung und so weiter geregelt. Details zur Temperatur werden in den technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) behandelt.

Zwar gibt es praktisch keine Regelung wie „Hitzefrei“, wie man es von der Schule kennt oder auch keine Regelungen für Maximaltemperaturen am Bau, das Arbeitsschutzgesetz greift aber ein, wenn die Temperatur im Innenraum 30°C übersteigt. Ab diesem Wert ist der Arbeitgeber gezwungen, einzugreifen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Erst ab 35°C darf ein Innenraum nicht mehr als Arbeitsraum verwendet werden. Sicherlich stimmen Sie uns zu, dass aber 30°C für die Büroarbeit bereits deutlich zu viel sind, um effizient und konzentriert arbeiten zu können. Natürlich können Sie diesbezüglich mit Ihrem Vorgesetzten sprechen, doch das verspricht nicht immer Hilfe und eine rechtliche Handhabe haben Sie im Prinzip erst ab 30°C, auch wenn man bereits ab 26°C den Arbeitgeber auf zu hohe Temperaturen hinweisen und um Gegenmaßnahmen bitten kann.

 

Was tun, wenn es am Arbeitsplatz zu heiß wird?

Neben einem bereits angesprochenen Gespräch mit dem Arbeitgeber und der Bitte um Gegenmaßnahmen beim Knacken der 26°C gibt es einige Dinge, die Sie darüber hinaus tun können. Sprechen Sie mit Kollegen, wie Sie die Temperaturen im  Büro empfinden, wenden Sie sich an den Betriebsrad und besprechen Sie die Problematik mit ihm und machen Sie selbst Vorschläge, wie die Situation verbessert werden kann.

Letztendlich dient es natürlich in erster Linie auch dem Unternehmen, wenn Sie sich als Mitarbeiter wohlfühlen. Gute Leistung durch effizientes Arbeiten ist für viele bereits ab 25 oder 26°C kaum mehr möglich.

Sollte es vorerst jedoch keine Lösung geben oder bereits ergriffene Maßnahmen schlichtweg nicht wie erwartet greifen, gibt es einige Tipps, die Sie befolgen können, um sich das Leben bei hohen Temperaturen zu erleichtern.

5 Tipps gegen Hitze am Arbeitsplatz

Was Sie selbst tun können, um die Situation bei hohen Temperaturen zu verbessern und das Arbeiten im Büro angenehmer zu machen, haben wir in Form von fünf Tipps für Sie zusammengefasst.

 

1. Für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgen

Nicht nur aber insbesondere bei hohen Temperaturen ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sehr wichtig. Andernfalls drohen nicht nur Unkonzentriertheit, sondern auch Kopfschmerzen und Körperliche Beschwerden können die Folge sein. Die Gefahr, in überhitzten Räumen zu dehydrieren, ist sehr groß, so dass der Körper hier deutlich mehr Flüssigkeit benötigt, als normalerweise.

Die Empfehlung lautet daher, immer ein Getränk direkt am Platz zu haben. Wasser ist natürlich stets die beste Wahl, aber auch Tee, Eistee oder ein anderes Kühles Getränk helfen dem Körper, den Wasserhaushalt zu regulieren. Übrigens ist die Mär von der Dehydrierung des Körpers durch Kaffee tatsächlich mittlerweile widerlegt. Dies ändert zwar nichts daran, dass übermäßiger Kaffeekonsum dem Körper schaden kann, mit Flüssigkeit wird er aber auch mit Kaffee versorgt.

 

2. Kleider machen Leute, aber…

Auch wenn ein bestimmter Dresscode im Büro gilt – in Ausnahmesituationen sollten die Gesundheit und das Wohlbefinden wichtiger sein. Ab einer Temperatur von 30°C verpflichtet der Gesetzgeber den Arbeitgeber sogar, Kleiderordnungen zu lockern. Viele Arbeitgeber lassen aber bereits bei unter 30°C diesbezüglich mit sich reden. Achten Sie darauf, dass Sie lockere Kleidung aus hellen, leichten und weichen Stoffen tragen. Dies kann dabei helfen, dass der Körper nicht überhitzt.

Enge dunkle Kleidung sorgt dafür, dass sich die Hitze darunter staut und keine Verdunstungskälte auf der Haut entstehen kann, dem Körper wird also die Möglichkeit genommen, die Temperatur selbst zu regulieren.

 

3. Lüften Sie die Räume

Fenster öffnen alleine bringt natürlich nichts, wenn draußen sengende 32°C sind. Die warme Luft kommt dann lediglich von außen herein und heizt den Raum zusätzlich auf. Daher sollte man früh morgens oder am späten Nachmittag lüften, wenn die Luft draußen etwas abgekühlt und frischer ist. Besonders effizient ist das morgendliche Lüften.

Neben dem kühlenden Effekt sorgt man zudem dafür, dass der Sauerstoffgehalt im Raum höher ist. Auch dies trägt zu einem gesunden Arbeitsklima bei. Mittags ist es dann empfehlenswert, die Jalousie – sofern vorhanden – herunterzulassen und zu verhindern, dass die Sonne direkt auf die Scheibe scheint.

 

4. Arbeitszeiten verschieben

Sollten Sie unter der Hitze stark leiden, kann es empfehlenswert sein, seine Arbeitszeiten zu verschieben. Wenn möglich, versuchen Sie in Gleitzeit zu arbeiten, also beispielsweise etwas früher zu kommen und dann entweder früher zu gehen oder die Mittagspause zu verlängern. Dies geht natürlich nicht an jedem Arbeitsplatz, aber es kann einen großen Unterschied machen, mit der Arbeit bereits beginnen zu können, wenn die Luft im Freien noch angenehm kühl ist.

 

5. Mobile Klimaanlagen und Ventilatoren

Wenn die Luft in Bewegung bleibt und nicht im Raum steht, wird sie als deutlich kühler empfunden. Ein Ventilator kann daher bereits sehr gut gegen Hitze helfen. Mittlerweile gibt es auch sehr gute kompakte Klimageräte, die mit kaltem Eiswasser befüllt punktuell für kühle Luft sorgen können. Besonders empfehlenswert für das Büro ist eine kompakte mobile Klimaanlage. Test– und Erfahrungsberichte helfen, das ideale Modell zu finden, das beispielsweise nicht zu laut ist, gegebenenfalls sogar per Akku betrieben werden kann und vielleicht zusätzlich noch einen entfeuchtenden Effekt hat, wobei dies im Großraumbüro natürlich nichts bringen wird.

Natürlich müssen Sie stets darauf achten, dass das Gerät – ob Ventilator oder Klimagerät – die Kollegen nicht stört. Sehr laute Klimageräte oder ein Ventilator, der dem Kollegen die Unterlagen vom Tisch weht, werden sicherlich nicht unbedingt für Begeisterung sorgen.

Welche Pflichten hat der Arbeitgeber?

Wenn Sie sich genauer darüber informieren möchten, welche Pflicht dem  Arbeitgeber zukommt, wenn es um hohe Temperaturen am Arbeitsplatz geht,  können Sie sich den Punkt 3.5 der Arbeitsstättenregelung durchlesen. Hier steht beispielsweise, dass der Arbeitgeber ab einer Temperatur von 26°C „angehalten“ ist, Maßnahmen zu ergreifen. Man beachte hier die Wortwahl, denn eine Pflicht hat er hier noch nicht.

Erst ab 30°C bis 35°C muss der Arbeitgeber sofort effektive Gegenmaßnahmen ergreifen. Dies können Maßnahmen sein wie die Installation einer Klimaanlage, das Errichten eines Vordachs, das Ausstatten der Fenster mit reflektierender Folie oder Ähnliches. Hilfreich ist es auch, besonders von der Sonne betroffene Bereiche zu begrünen.

Steigt die Temperatur auf über 35°C darf der Raum nicht mehr als Arbeitsraum genutzt werden. Dies ist auch gut so, denn hier ist kein effektives Arbeiten mehr möglich, da die Temperatur schon in den Bereich einer Bio-Sauna geht, wenn man Kleidung trägt.

Mit anderen Worten bedeutet die Regelung, dass Sie bis zu einer Temperatur von 26°C und häufig auch bis 30°C auf sich alleine gestellt sind und selbst für Abkühlung sorgen müssen. Auf eine gesetzliche Pflicht werden Sie sich nur schwer berufen können. Dennoch ist es immer empfehlenswert, ein offenes Ohr zu suchen und das Problem anzusprechen, wenn Sie es im Büro als deutlich zu warm empfinden. Dabei müssen Sie aber auch stets bedenken, dass Frauen im Vergleich zu Männern bis zu 3°C mehr als angenehm  empfinden. Als männlicher Kollege gilt hier also stets auch Rücksichtnahme, denn mit einer Klimaanlage für eisige Temperaturen im  Büro zu sorgen, ist natürlich auch keine Lösung.

Über die ASR hinaus gibt es auch eine Regelung im BGB, die den Arbeitgeber in die Pflicht nimmt. So besagt §618 Abs. 1 im BGB, dass der Arbeitgeber die Räumlichkeiten so bereitstellen muss, dass sie für den Arbeitgeber keine Gefahr für die Gesundheit darstellen. Hier räumt der Gesetzgeber also besondere Rechte für alle ein, deren Gesundheit bei zu hohen Temperaturen gefährdet ist.

 

Besonderes Recht auf Freistellung für gesundheitlich beeinträchtigte Personen und Schwangere

Von der Sonderregelung im BGB können beispielsweise Schwangere oder Menschen, die mit gesundheitlichen Einschränkungen leben müssen, profitieren, wenn es im Büro zu heiß wird. Um diese Sonderregelung für sich geltend zu machen, benötigt man allerdings ein Attest vom Arzt, der bescheinigt, dass die Gesundheit bei zu hohen Temperaturen beeinträchtigt sein kann. In diesem Fall kann dann eine Freistellung erfolgen, wenn die normale Raumtemperatur zwischen 20°C und 26°C nicht mehr eingehalten werden kann.

Diese Regelung ermöglicht es gesundheitlich beeinträchtigten und schwangeren Menschen, sich selbst nicht unnötig zu belasten und der Arbeit fernzubleiben, wenn nicht für Abhilfe gesorgt werden kann.

 

Fazit

Jeder empfindet Hitze anders und jeder hat seine eigene Wohlfühltemperatur. Als normale Raumtemperatur gelten 20 bis 26°C. Werden die 26°C überschritten, kann man den Arbeitgeber bereits anhalten, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Um selbst Abhilfe zu schaffen, sind besonders Mini-Klimageräte, Ventilatoren, viel Trinken und morgendliches Lüften gute Möglichkeiten, um effektiv Abhilfe zu schaffen. Spätestens ab 30°C müssen umgehend Gegenmaßnahmen ergriffen werden, denn unter so hohen Temperaturen leidet der Körper bei der Arbeit und es drohen gesundheitliche Gefahren.

 

 

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